Wem gehört deine Domain? Meine Learnings aus zwei Kunden-Umzügen

Die neue Website war seit dem 20. Juli fertig. Getestet, freigegeben, auf dem Server.
Live ging sie trotzdem wochenlang nicht. Weil niemand an die Domain kam.
Die Domain, das ist deine Internetadresse mit allem, was daran hängt: Website und Firmen-Mail.
Der Betrieb sitzt am Hochrhein, sieben Domains, seit über 20 Jahren am Markt. Der Login zum Webhosting funktionierte, also zu dem Speicherplatz, auf dem die Website liegt. Ich konnte alle sieben Domains sehen und Dateien hochladen.
Aber die eine Einstellung, die eine Domain auf eine neue Website zeigen lässt, gab es in diesem Zugang nicht. Ändern konnte die nur jemand anders. Nicht die Inhaberin. Wer, hab ich erst beim dritten Anlauf gemerkt.
In den Betrieben, in die ich reinschaue, sieht es fast immer so aus. Die Website ist bezahlt, sie läuft. Und trotzdem kommst du an den Teil nicht ran, der dir gehören sollte.
Solange nichts passiert, merkt das keiner. Sobald du wechseln willst oder jemand einen alten Vertrag kündigt, kann das deine Website und deine Firmen-Mail kosten.
Ein Hosting-Login ist keine Domainverwaltung
Mitte August hab ich den Zugang zum Webhosting des Betriebs zum ersten Mal richtig geprüft. Login geht, Dateiübertragung geht, alle sieben Domains stehen im Menü unter „Domainverwaltung“.
Nur: Diese Domainverwaltung steuert ausschließlich, in welchen Ordner auf dem Speicherplatz eine Domain zeigt. Die Nameserver gab es dort nicht.
Der Nameserver ist die Angabe an deiner Domain, die dem Internet sagt, welcher Server deine Website und deine Mail ausliefert. Den zu ändern ist der eigentliche Umzug.
Der Zugang war also echt. Und trotzdem wertlos.
Dazu kam die E-Mail. Die läuft bei dem Betrieb über Microsoft 365, also Outlook. Microsoft findet die Postfächer nur über ein paar Zeilen, die an der Domain hinterlegt sind.
Stellst du die Nameserver um, ohne diese Zeilen vorher nachzubauen, ist die Firmen-Mail weg. Aus „schnell live gehen“ wurde ein Plan mit mehreren Schritten.
Das leere Feld, das alles erklärt hat
Am 15. September saß ich zum dritten Mal auf der Verwaltungsseite des Hosters. Zweimal vorher hatte ich nach der Kundennummer gesucht, weil man die für jede Anfrage beim Support braucht. Der Hoster schreibt selbst, dass die Nummer auf der Übersichtsseite steht.
Bei diesem Betrieb war das Feld leer. Und der Name des gebuchten Pakets trug ein Kürzel, das nicht vom Hoster stammte, sondern von einer IT-Firma aus der Nähe.
Damit war klar, was los war: Der Vertragspartner des Hosters war nicht die Inhaberin, sondern ein Zwischenhändler. Passwort-Reset, Support-Anfrage, Kundennummer: läuft alles ins Leere, weil die Adresse im Vertrag dem Zwischenhändler gehört.
Zwei Durchgänge hätte ich mir sparen können, muss ich ehrlich sagen. Mit einer einzigen Frage vorher.
Der Hoster redet nur mit dem, der die Rechnung kriegt. Nicht mit dem, der die Website bezahlt hat.
Seitdem ist das meine erste Frage bei jedem neuen Projekt, noch vor dem ersten Login: Wer stellt die Rechnung fürs Hosting? Die Antwort sagt mir, wo die Domain wirklich liegt und mit wem ich reden muss.
Die Domain, die längst gekündigt war und trotzdem lief
Der zweite Fall ist ein Bestandskunde mit zwei Domains, eine deutsche und eine Schweizer. Im April hatte sein Geschäftspartner beim Hoster einen alten Vertrag gekündigt, wirksam im August. An diesem Vertrag hingen die Schweizer Domain und das Postfach dazu.
Was der Hoster dann macht, steht in keiner Kündigungsbestätigung. Gelöscht wird das Postfach nicht. Es wird auf eine Ersatz-Adresse umbenannt, die im Konto noch sichtbar ist und wie eine Sicherung aussieht. Die Inhalte werden zum Vertragsende trotzdem gelöscht.
Die Domain verschwindet aus der Übersicht, bleibt aber bis zum Ende des bezahlten Jahres registriert. Die Website lief also ganz normal weiter, bis April 2027.
Dann wäre sie kommentarlos ausgefallen, und die Domain wäre frei gewesen. Frei heißt: Mailadressen tot, Visitenkarten falsch, Google-Eintrag zeigt ins Leere. Und den Namen kann sich jeder kaufen.
Ende August hab ich das zusammen mit dem Kunden repariert. Die Domain ließ sich hosterintern in den laufenden Vertrag holen, null Euro sofort, ein Euro im Monat ab der nächsten Periode. Das Postfach hab ich zurückbenannt und mit neuem Passwort getestet.
Vier Monate hat das keiner gemerkt. Die alten Mails waren der Preis, inklusive aller Kundenkorrespondenz darin. Und ja, das nervt einfach.
Und noch was ist mir im Konto aufgefallen: Alle Postfächer des Betriebs hängen an einem einzigen Vertrag aus dem Jahr 2013. Kündigt das jemand, ist jede Mailadresse der Firma mit weg. Das steht nirgends groß, das siehst du nur, wenn du drinsteckst.
Vier Ebenen, die getrennt gehören
Ein funktionierender Login auf einer Ebene beweist nichts über die anderen. Das ist die Regel, die ich mir aus beiden Fällen gebaut hab, und ich geh sie vor jedem Umzug durch.
Eine Website besteht aus vier Teilen, und jeder kann bei jemand anderem liegen:
- Der Registrar. Die Stelle, bei der die Domain auf einen Namen eingetragen ist. Hier steht, wem sie gehört und wer sie umziehen darf. Beim Betrieb am Hochrhein war das der Zwischenhändler. Wenn im Titel dieses Artikels „Domain“ steht, ist diese Ebene gemeint.
- Das DNS. Die Tabelle an der Domain, die dem Internet sagt, wo Website und Mail zu finden sind. Die Nameserver bestimmen, wer diese Tabelle führt.
- Der Webspace. Da liegen die Dateien der Website. Das meinen die meisten, wenn sie Hosting sagen.
- Die Mail. Der Anbieter, bei dem deine Postfächer liegen. Hängt über die Tabelle an der Domain und stirbt als Erstes, wenn jemand beim Umstellen nicht aufpasst.

Bei beiden Kunden riss eine Kündigung oder ein Zugang auf einer Ebene etwas auf einer anderen mit. Bei einem Baukasten fehlt dir obendrauf noch die Website selbst. Dazu hab ich hier was geschrieben: Website-Baukasten oder selbst gebaut. Die Domain-Frage kommt da noch obendrauf.
Deine Website gehört dir
Für Domains, die ich für Kunden verwalte, gilt seit dem 15. September ein festes Modell. Die Domain liegt bei einem reinen Registrar in Berlin, also einem Anbieter, der nur Domains macht und kein Hosting verkauft.
Der Kunde ist als Inhaber eingetragen, ich bin technischer Kontakt. Eine .de-Domain kostet dort weniger als fünf Euro im Jahr. Keine Kopplung an einen Vertrag, den irgendwann jemand kündigt.
Kunden, die schon ein eigenes Konto beim Registrar haben und damit zurechtkommen, ziehe ich nicht um. Dann bekomme ich einen Zugang, ändere dort nur die Nameserver und lasse den Rest, wie er ist. Ein funktionierendes Konto ist mehr wert als ein sauberes Konzept.
Dazu kommt ein Blatt, das ich gerade für meine Kunden aufsetze. Es heißt „Deine Website gehört dir“ und passt auf eine Seite. Darauf steht, wo die Domain registriert ist und unter welchem Namen, wo der Login liegt, wo die Website gehostet ist und wo der Programmcode als Datei liegt.

Der wichtigste Absatz erklärt, wie du beim Registrar die Nameserver umstellst, falls ich mal drei Wochen nicht erreichbar bin. Das Blatt erklärt im Grunde, wie du mich ersetzt.
Klingt komisch, gehört für mich aber dazu. Du sollst an deiner Website hängen, nicht an mir. Der erste Pass ist ausgefüllt, die anderen folgen.
Drei Dinge, die du heute prüfen kannst
Dass deine Domain bei jemand anderem liegt, ist nicht automatisch falsch. Schlimm wird es erst, wenn niemand weiß, bei wem. Das weiß fast keiner auswendig, ist auch kein Wunder. Ich stelle vor jedem Projekt noch ein paar Fragen mehr, die stehen hier: 5 Fragen, die jedes Webdesign-Projekt retten. Diese drei kannst du heute selbst klären.
- Wer bekommt die Rechnung für deine Domain? Du, dein Webdesigner, eine IT-Firma, oder jemand aus der Familie, der das damals gemacht hat? Wer die Rechnung bekommt, hat den Vertrag. Wenn du es nicht weißt, liegt sie mit ziemlicher Sicherheit nicht bei dir. Das ist bei den meisten so.
- Logg dich dort ein, wo die Rechnung herkommt. Findest du dort deine Domain und irgendwo das Wort Nameserver oder DNS, bist du richtig. Findest du nur Ordner und Dateien, ist das der Hosting-Zugang, nicht die Domain. Dann weißt du, dass noch ein zweiter Zugang existiert, und kannst danach fragen.
- Zähl deine Firmen-Mailadressen. Stehen die Domain und die Postfächer auf derselben Rechnung, hängt beides zusammen. Dann darf diesen Vertrag niemand kündigen, ohne vorher die Mail umzuziehen. Bei beiden Kunden war genau das der Punkt.
Schreib die drei Antworten auf ein Blatt und leg es zu den Vertragsunterlagen.
Das Blatt zum Ausfüllen, mit allen vier Ebenen und dem Notfall-Feld.
Und falls du nicht weißt, wo deine Domain überhaupt liegt: Schreib mir die Internet-Adresse an ivo@blackforest-webcraft.de. Das schau ich in fünf Minuten nach und sag dir, wer sie führt und auf wessen Namen.
Antwort kommt als Mail, kein Anruf, kein Angebot hinterher. Das kostet nichts, und danach kannst du die Antwort auf dein Blatt schreiben.
Grüße, Ivo





