Website-Baukasten oder selbst gebaut: Mein Fazit, nachdem ich beide Seiten von innen kenne

Illustration im BFWC-Stil: wackliger Stapel aus vielen Baukasten-Modulen neben einer schlanken, präzisen Konstruktion mit orangem Prüfkreis
houseIvo S.09.08.2026Lesezeit: 5:00

Vor ein paar Wochen hab ich mich zum ersten Mal richtig tief in einen Website-Baukasten reingearbeitet. Nicht als Kritiker von außen, sondern von innen: ein größeres Kundenprojekt, das komplett auf so einem System läuft. Ich bau Websites sonst von Grund auf selbst. Trotzdem wollte ich wissen, was so ein fertiges System wirklich kann.

Die kurze Version: Es kann viel. Und genau da fängt das Problem an.

Hier kommt, was ich dabei gelernt hab: wo es klemmt, was es dich als Betrieb kostet, und wann ein Baukasten trotzdem völlig reicht.

Wie ich im Baukasten gelandet bin

Das Projekt: eine Kundenwebsite auf Odoo, einem großen Business-System, das von Buchhaltung bis Terminbuchung fast alles mitbringt, inklusive eigenem Website-Baukasten. Der Kunde hatte das System schon im Einsatz, also gab es keine Diskussion: Ich musste da rein.

Der Name tut übrigens nichts zur Sache. Das gleiche Prinzip steckt in Wix, Jimdo und dem Homepage-Baukasten von deinem Hoster: vorgefertigte Bausteine, die du zusammenklickst.

Die ersten Tage fand ich es echt interessant, so ein System mal von innen zu sehen. Und dann kam der Frust.

Der Kunde wollte keine Standard-Seite. Er wollte Sachen, die sein Geschäft besonders machen: eigene Abläufe, eigenes Verhalten auf der Seite, eigene Formulare. Und genau an dem Punkt hat der Baukasten seine andere Seite gezeigt.

Die Grenze, an der es wehtut: die Oberfläche kann nicht alles

Solange das, was du willst, als Baustein existiert, geht alles schnell und einfach. Das ist die Stärke von diesen Systemen, und die will ich ihnen gar nicht absprechen.

Eng wird es, wenn du etwas willst, das nicht vorgesehen ist. Bei meinem Projekt waren das zum Beispiel Elemente, die sich auf der Seite bewegen sollten, und Formulare, die den Besucher Schritt für Schritt durchführen. Dafür gab es in der Oberfläche gar keine Möglichkeit. Kein Menüpunkt, kein Regler, nichts.

Die Lösung: alles mit eigenem Code bauen und den dann irgendwie ins System reinbringen. Das geht, aber es ist extrem aufwändig. Jede Änderung wird zur Fummelei, und Sachen, die auf einer selbst gebauten Seite in einer halben Stunde erledigt wären, fressen einen ganzen Abend. Und ja, es nervt einfach. Die Stunden dafür bezahlt am Ende übrigens nicht der Entwickler, sondern du.

Sobald du was willst, das der Baukasten nicht vorgesehen hat, arbeitest du gegen das System statt mit ihm.

Systemgrafik: ein individuelles Bauteil passt nicht ins starre Raster aus vorgefertigten Modulen und braucht einen Umweg außen herum

Was dich ein Baukasten wirklich kostet

Die Monatsgebühr ist der kleinste Teil. Die echten Kosten sind versteckt.

Erstens: Zeit. Jede Sonderlocke dauert ein Vielfaches, egal ob du selbst abends dransitzt oder ein Dienstleister die Stunden abrechnet.

Zweitens: Tempo. Baukasten-Seiten schleppen technisch viel Ballast mit, weil das System für tausend Anwendungsfälle gebaut ist und deine Seite den Code für alle davon mitlädt. Das macht die Seite langsam, und langsame Seiten kosten dich Besucher und Google-Platzierungen. Warum das so ist und was du dagegen tun kannst, hab ich im Artikel über Ladezeiten ausführlich beschrieben.

Drittens: die Folgekosten der Grenzen. Wenn deine Website mit deinem Betrieb mitwachsen soll, etwa mit Online-Terminbuchung oder einem mehrstufigen Anfrage-Formular, stößt du irgendwann an die Decke. Dann heißt es: eine Notlösung drumherum bauen, teuer erweitern oder komplett neu machen. Was eine Website insgesamt kosten darf und wo die Preisunterschiede herkommen, findest du in meinem Artikel über Webseiten-Kosten.

Für dich als Betrieb heißt das: Ein Baukasten sieht am Anfang billiger aus. Ob er es nach drei Jahren noch ist, hängt davon ab, was du mit deiner Website vorhast.

Der Punkt, der für mich am schwersten wiegt: Deine Website gehört dir nie

Das hier ist der wichtigste Punkt, und er hat nichts mit Technik zu tun.

Bei einem Baukasten gehört dir deine Website nicht. Du mietest sie.

Texte, Bilder, Design und die ganze Technik dahinter liegen beim Anbieter. Wix zum Beispiel schreibt selbst in seinem Hilfe-Center, dass sich Seiten aus dem Editor nicht exportieren lassen und jede Wix-Website auf den Wix-Servern bleiben muss. Willst du irgendwann zu einem anderen Anbieter, fängst du bei null an: neues Design, alle Texte neu einpflegen, alles nochmal. Das steht in keinem Werbevideo, und beim Einrichten denkt da verständlicherweise auch niemand dran.

Bei einer selbst gebauten Website ist das anders. Meine Kunden bekommen alles: Texte, Bilder, Design und den kompletten Code. Wenn einer irgendwann sagt, er will woanders hin oder jemand anderes soll übernehmen: kein Problem, er nimmt einfach alles mit. Das klingt nach einem Detail. Ist es aber nicht: Du hängst nicht komplett an einem Anbieter.

Wann ein Baukasten reicht und wann nicht

Jetzt könnte der Eindruck entstehen, ich will dir den Baukasten komplett madig machen. Will ich nicht.

Für eine einfache Seite reicht ein Baukasten völlig. Wenn du eine saubere Visitenkarte im Netz brauchst, mit deinen Leistungen, Fotos, Öffnungszeiten und Kontakt, dann ist ein Baukasten ein legitimer Weg. Da musst du dir von niemandem einreden lassen, dass du mehr brauchst.

Eng wird es in zwei Fällen:

  • Du willst Funktionen, die dein Geschäft besonders machen: Online-Terminbuchung, mehrstufige Formulare, eigene Abläufe.
  • Deine Website soll aktiv Kunden bringen, also bei Google vorne stehen und schnell laden.

Trifft beides nicht auf dich zu: Baukasten, fertig, gut. Trifft eins davon zu, lohnt sich der Blick auf eine selbst gebaute Seite: Da steckt nur drin, was du wirklich brauchst. Nichts Überflüssiges, das sie langsam macht. Ich arbeite dafür mit einem schlanken System namens Astro, aber das Prinzip zählt mehr als der Name.

Mein Fazit

War die Zeit im Baukasten verschwendet? Nein, überhaupt nicht. Ich hab dabei mehr über diese Systeme gelernt als in der ganzen Zeit, in der ich nur von außen draufgeschaut hab. Und ich versteh jetzt, warum ein Baukasten für viele Betriebe ein völlig vernünftiger Start ist.

Aber die Zeit hat mir schwarz auf weiß gezeigt, warum ich bei allem, was über eine einfache Seite hinausgeht, von Grund auf selber baue. Nicht aus Prinzip, sondern weil es am Ende schneller geht und sauberer ist.

Falls du gerade auf einem Baukasten festhängst oder vor der Entscheidung stehst: Schreib mir einfach an ivo@blackforest-webcraft.de. Dann schauen wir zusammen drauf, wo du stehst und was du wirklich brauchst. Manchmal ist die Antwort auch: Bleib beim Baukasten. Dann sag ich dir das genauso ehrlich.

Und falls du grundsätzlich überlegst, wen du für deine Website ins Boot holst, hilft dir vielleicht mein Artikel darüber, warum ein Freelancer oft die bessere Wahl ist.